
Von unserem Redaktionsmitglied
Doris Pieper
Gütersloh (gl). Sind Frauen zu feige, ihre berufliche Karriere mit Vehemenz anzugehen? Ziehen sie sich aus Faulheit in eine „häusliche Komfortzone“ zurück? Ordnen sie sich aus Bequemlichkeit dem Mann unter? Übernehmen sie gern für jeden und alles die Verantwortung, nur für sich selbst nicht?
Es ist starker Tobak, den Bascha Mika, Ex-„Taz“-Chefredakteurin ihren Geschlechtsgenossinnen in dem Buch „Die Feigheit der Frauen – Rollenfallen und Geiselmentalität“ ins Gesicht bläst. Prompt wird landauf, landab heftig gewettert – über Mikas Ansichten und auch über ihre Person. Anlässlich des heutigen Weltfrauentags sprach „Die Glocke“ mit der Publizistin.
„Die Glocke“: Frau Mika, haben Sie so heftige Reaktionen auf Ihr Buch erwartet?
Mika: Nein, ich habe auf eine Debatte gehofft, jedoch nicht mit diesem Sturm gerechnet. Aber ich bin bereit zu streiten, vorausgesetzt, die Kritik ist konstruktiv.
„Die Glocke“: Haben Sie das Buch aus Wut oder Frust geschrieben?
Mika: Wut ist eruptiv und kurzfristig. Ich habe aus einem lang schwelenden Zorn geschrieben. Vor fünf Jahren habe ich bereits an einer Uni einen Vortrag zum Thema „Feige Frauen“ gehalten. Seitdem versuche ich klar zu machen, dass wir Frauen – und ich meine dieses „wir“ sehr ernst – zwar alles wollen und können, aber doch immer wieder weit hinter unseren Möglichkeiten zurückbleiben, weil wir unsere Selbstbestimmung aufgeben.
„Die Glocke“: Glauben Sie, dass Frauen nur glücklich sind, wenn sie Karriere machen?
Mika: Das ist Quatsch. Es geht nicht um Karriere. Selbstbestimmung funktioniert sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich. Jede Frau hat gute Gründe für jede ihrer Entscheidungen. Aber aus einem veralteten Rollenverständnis und aufgrund des gesellschaftlichen Drucks lassen sich viel zu viele auf das typisch Weibliche reduzieren.
„Die Glocke“: Das heißt?
Mika: Bei den Fallbeispielen, die ich aufliste, geht es nicht um Frauen, die sich bewusst und ausschließlich für Familie entscheiden, sondern um gut ausgebildete Frauen, die alles wollen: Liebe, Familie, Beruf, die in jungen Jahren Ziele hatten. An diesem Anspruch messe ich sie, wenn sie Jahre später darüber lamentieren, dass sie dem Partner oder der Familie zuliebe alles aufgegeben haben. Sie selbst haben durch falsche Entscheidungen dafür gesorgt, dass die Rollenfallen zugeschnappt sind. Warum erledigen zwei Drittel der Frauen den Haushalt allein – egal wie viele Stunden sie darüber hinaus im Beruf verbringen – und erfüllen damit freiwillig überindividuelle, klassische Muster? Durch unser Handeln zementieren wir genau die Strukturen, gegen die wir kämpfen. Das muss sich ändern.
Wie man der Rollenfalle entgeht und was Bascha Mika über ihr Privatleben verrät, lesen Sie in der Dienstagsausgabe der Gütersloher "Glocke".