Die Glocke online
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Wed, 09 Mar 2011 14:30:01 GMT
Herzebrock-Clarholz: Verkäuferin und Zeuge mit Messer bedroht
Herzebrock-Clarholz (gl).  Ein maskierter Mann hat am Dienstagnachmittag gegen 17.25 Uhr den Schlecker-Markt im Ortsteil Clarholz an der Lindenstraße überfallen. Nach Angaben der Polizei bedrohte er die allein anwesende 50-jährige Verkäuferin mit einem großen Messer. 
 
Der Räuber forderte sie auf, die Kasse zu öffnen, nahm daraus einen geringen Betrag an Bargeld und flüchtete. Ein aufmerksamer Zeuge wurde auf den zu Fuß flüchtenden Mann aufmerksam und verfolgte ihn auf seinem Rad bis in die Osthoffstraße, wo der Mann mit einem dort abgelegten Fahrrad seine Flucht in Richtung Bundesstraße 64 fortsetzte.
 
Im Bereich Osthoffstraße/Südstraße hatte der 56-jährige Zeuge den Täter eingeholt. Er versuchte ihn festzuhalten, was aber nicht gelang. Der Räuber warf daraufhin das Rad weg, bedrohte jetzt den Zeugen mit dem Messer und flüchtete anschließend über die Gleise und die Bundesstraße auf ein Werkstattgelände, wo sich seine Spur verlor. Umfangreiche Fahndungsmaßnahmen der Polizei verliefen bisher ohne Erfolg.
 
Es liegt folgende Täterbeschreibung vor: Männliche Person, etwa 25 Jahre alt,
schlank, bekleidet mit schwarzer Jogginghose und einem weißen Pulli mit Kapuze,
maskiert mit schwarzem Schal. Der Mann führte ein großes Messer mit und benutzte
für seine Flucht ein schwarzes Cityrad mit hellbraunem Sattel. Hinweise nimmt
die Polizei in Rheda-Wiedenbrück unter Telefon 05242/41000 entgegen
 
Wed, 09 Mar 2011 10:16:00 +0100
Rietberg: Anna-Maria Zimmermann muss wieder ins Krankenhaus
Rietberg-Westerwiehe (gl). Anna-Maria Zimmermann muss am Mittwoch erneut ins Krankenhaus. Die Schlagersängerin aus Westerwiehe wird am Freitag in Hannover am linken Arm operiert. Seitdem die 22-Jährige Ende Oktober vergangenen Jahres bei einem Hubschrauber-Absturz bei Altenbeken schwer verletzt wurde, kann sie ihren Arm nicht mehr bewegen. „Ohne diese Operationen klappt das nicht“, sagte Anna-Maria Zimmermann gestern im Gespräch mit der „Glocke“. Am 1. April folgt in Aachen eine weitere Operation.

Das Ziel: Der Arm soll wieder hergestellt werden. „Damit er irgendwann wieder eine Funktion bekommt“, sagt die Sängerin, die bei ihren Eltern in Westerwiehe lebt.

Ihren Optimismus hat sie trotz der schweren Verletzungen, die sie bei dem Unfall erlitt, nicht verloren. „Mir geht es den Umständen entsprechend gut“, sagt Anna-Maria Zimmermann, die beinahe täglich in der Reha an der weiteren Gesundung arbeitet. Wann sie allerdings wieder auf der Bühne stehen kann, weiß sie noch nicht. „Natürlich möchte ich gern, dass es im Sommer wieder so weit ist, aber abzusehen ist das noch nicht. Wichtig ist, dass ich erst einmal wieder richtig fit werde“, sagt die 22-Jährige. Mai, Juni oder ein noch späterer Zeitpunkt sei möglich.
Zunächst muss eben erst einmal der Arm wieder hergestellt werden. Das soll in den nächsten Wochen mit zwei Operationen bewerkstelligt werden.
Wed, 09 Mar 2011 08:34:00 +0100
Gütersloh: Staatsschutz nimmt Gütersloher ins Visier
Gütersloh (rebo). „Um 13 Uhr ist ein Anschlag auf den Flughafen Frankfurt geplant.“ Diese Drohung hat am Dienstagmorgen die Beamten des Staatsschutzes Bielefeld in Gütersloh auf den Plan gerufen. Gegen 7.30 Uhr klingelten die Einsatzkräfte an der Tür einer Wohnung an der Hermann-Lietz-Straße (Bild). Ein 20-jähriger Mann, der dort mit seiner 50-jährigen Mutter und seinem 22-jährigen Bruder lebt, soll nachts in einem Chatroom im Internet angekündigt haben, den Flughafen Frankfurt am Main in die Luft zu sprengen. Das hat auf Anfrage der „Glocke“ der Erste Kriminalhauptkommissar Ulrich Buchalla, Leiter der Abteilung „Politisch motivierte Ausländerkriminalität“ beim Staatsschutz, erklärt.

In der Nacht zum Dienstag, gegen 1.50 Uhr, soll der junge Mann die Drohung im Internet ausgestoßen haben. „Ein Überwachungsprogramm im Netz hat auf das Wort ,Anschlag‘ reagiert. Daraufhin hat der Administrator des Chatrooms die Polizei in Baden-Württemberg benachrichtigt“, erläuterte Buchalla, wie der Staatsschutz auf den türkischstämmigen Gütersloher aufmerksam geworden ist. „Beim Einsatz hat sich aber schnell herausgestellt, dass keine ernsthafte Gefahr besteht.“

Der junge Mann, der schon einmal durch eine Drohung im Internet aufgefallen sei, bestreite bisher, die Terroraktion angekündigt zu haben. Nach Angaben Buchallas habe der Bruder ein Alibi und die Mutter sei nicht in der Lage, im Netz zu kommunizieren. Die Beamten haben Computer und Zubehör mitgenommen, um zu beweisen, dass das Gespräch im Chatroom von diesem Rechner aus geführt wurde.

Der 20-Jährige und sein Bruder seien von den Beamten des Staatsschutzes in Bielefeld weiter verhört worden, durften anschließend aber wieder gehen. „Das ist kein Kinderspiel“, betont Ulrich Buchalla. Sollte sich der Verdacht gegen den 20-Jährigen bestätigen, muss er mit einer Anklage rechnen. „Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung einer Straftat“ sei ein Vorwurf, der in so einem Fall zu erheben sei. Wie sich die unbedachte Äußerung auswirken könnte, erklärt der Kriminalhauptkommissar knapp: „So etwas kann mit einer Strafe von bis zu drei Jahren Haft belegt werden.“
Wed, 09 Mar 2011 08:00:00 +0100
Gütersloh: Rechtsanwälte ziehen in das Haus Buchwald
Gütersloh (din). Das Haus Buchwald ist eines der markantesten Baudenkmäler in Gütersloh. Viele Jahre hat es zuletzt ein Schattendasein geführt. Jetzt wird es saniert für zwei Rechtsanwaltskanzleien, die dort einziehen wollen. Das historische Gebäude ist gleichzeitig Anker und Namensgeber für ein neues Wohnquartier zwischen Auf der Benkert und der Haegestraße.

„Das Haus Buchwald ist eine Adresse, die man kennt in Gütersloh“, sagt der Rechtsanwalt und Notar Jörg Balk (50), dessen Frau das Gebäude erworben hat und es nun sanieren lässt. „Es ist schön, so etwas zu erhalten, und ich kann mir vorstellen, dass man dort gut arbeiten kann.“ Zum 1. Oktober will Balk mit seinem Partner Holm Hiller und sieben Mitarbeitern dorthin umziehen. Außerdem werde der Rechtsanwalt und Notar Merklinghaus mit zwei Mitarbeitern einziehen, sagt Balk.

An der bisherigen Adresse an der Kahlertstraße laufe der Vertrag aus. Außerdem sei es dort zu laut geworden. Das Haus Buchwald liege „im Grünen“ und sei ruhig. Außerdem schätze er die hohen Räume, so Balk.
Eine Arbeitsgemeinschaft aus der Volksbank-Tochter Geno-Immobilien und der Firma G eins Industrie- und Wohnbau des Architekten Walter Hauer hatte die gründerzeitliche Backstein-Villa mit neoklassizistischen und barocken Fassadenelementen 2009 samt der umliegenden Flächen von der Evangelischen Kirchengemeinde Gütersloh erworben und vor kurzem weiterveräußert. Über den Kaufpreis verlautete ebenso wenig wie über die Renovierungskosten, die im sechsstelligen Bereich liegen dürften.

Die Kanzleien werden das Erdgeschoss und das Obergeschoss beziehen. Das Dachgeschoss bleibt vorerst ungenutzt, bietet aber später im Bedarfsfall Raum für weitere Büros. Trotz einer Vielzahl von unterschiedlichen Nutzungen und Bewohnern ist im Innern noch ein Großteil der Originaleinbauten erhalten – von der repräsentativen Treppe über Holzverkleidungen bis hin zu großzügigen Flügeltüren. Zurzeit wird das Gebäude von späteren Einbauten befreit. „Da gehört schon Liebhaberei dazu“, sagt der Architekt Walter Hauer, der bereits eine Reihe von alten Gebäuden für neue Nutzungen hergerichtet hat (Medienfabrik, Bartels) und zurzeit auch den Komplex zwischen Kökerstraße und Kolbeplatz umbaut.

Das Haus Buchwald wird so weit wie möglich innen gedämmt und an eine neue Heizzentrale im entstehenden Wohngebiet angeschlossen. Auch die Fassade soll laut Balk bald wieder in neuem Glanz erstrahlen.
Mehr über die Geschichte des Hauses und das neue Wohngebiet lesen Sie am Mittwoch in der „Glocke“.
Wed, 09 Mar 2011 07:30:00 +0100
Harsewinkel: Die Steuer-Debatte ist vom Tisch
Harsewinkel (gl). Die Wogen sind geglättet: Der Vorstand des Harsewinkeler Verkehrsvereins und die SPD haben sich in Sachen Steuer-Diskussion zusammengerauft und ausgesprochen.
Am Samstag kam es auf Initiative von Peter Grundmann (SPD) und Bernhard Brockmann, Vize-Vorsitzender des Verkehrsvereins, zu einem Gespräch zwischen führenden Vertretern der Harsewinkeler SPD, Eckhard Wiesbrock und Reinhard Hemkemeyer, und den Vertretern der Gewerbetreibenden, dem Vorsitzenden Dr. Hajo Reicherts und seinem Stellvertreter Chris Brentrup.

Wie im Konflikt um die Ratsentscheidung zur Steuererhöhung in der Öffentlichkeit deutlich wurde, gab und gibt es nicht nur politisch unterschiedliche Bewertungen, sondern auch Unterschiede in der Wahrnehmung und Interpretation der sprachlichen Mittel. Beide Seiten bedauern in einer Mitteilung die im öffentlichen Streit herbeigeführten oder entstandenen Irritationen und persönlichen Verletzungen.

Die Gegensätzlichkeit der jeweiligen sachlichen Standpunkte konnte in diesem Gespräch allerdings nicht vollständig ausgeräumt werden. Positiv war, dass die Diskussion von gegenseitigem Respekt und der Bereitschaft, einander zuzuhören und aufeinander zuzugehen, geprägt war.

Gleichwohl waren sich beide Seiten in einigen Grundsätzen einig: Rücksichtnahme auf individuelle Empfindungen, Zurückhaltung bei der Wahl sprachlicher Ausdrucksmittel oder vielleicht auch eine kurze persönliche Nachfrage vor einer eventuell übereilten Aktion oder überzogenen Reaktion sollen eine wie gerade erlebte Konflikt-Eskalation in Zukunft vermeiden, hieß es von beiden Seiten.

„Die Gesprächspartner erachten eine Verbesserung der Zusammenarbeit vor allem in solchen Angelegenheiten für sinnvoll, die der gedeihlichen Entwicklung der Harsewinkeler Gewerbetreibenden dienen. Und je besser es denen geht, umso mehr Nutzen haben davon auch die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger“, betonen Hajo Reicherts, Bernhard Brockmann, Eckhard Wiesbrock und Reinhard Hemkemeyer.
Tue, 08 Mar 2011 21:55:00 +0100
Gütersloh: „Dizzy Dudes“ stellen ihr Debütalbum vor
Gütersloh (gl). Für ein halbes Jahr haben sie sich im Studio eingeschlossen, um an neuem Material zu feilen. Jetzt ist es fertig: „Rock N Rollercoaster“, das erste Studioalbum der „Dizzy Dudes“. Vorstellen werden es die Gütersloher Musiker am Samstag, 12. März, ab 20.30 Uhr in der Weberei.

Seit 2005 sind die fünf Gütersloher nun schon mit ihrer ganz eigenen Mischung aus Rock’n’Roll und Hard-Rock unterwegs und begeistern vor allem live ihr Publikum. Nach der EP „Rock’n’Roll Is The Devil’s Whore“ (2007) wurde es höchste Zeit für das erste komplette Album. Auf diesem findet sich neben zwölf eigenen Titeln mit dem Song „Last Resort“ der amerikanischen Combo „Papa Roach“ auch ein Cover, dem der „Dizzy Dudes“-Stempel aufgedrückt wurde. Aufgenommen wurde das Album von Gitarrist Henning Strandt im hauseigenen „Watt Matters Studio“ in Gütersloh. Und da man beim Mastering nichts dem Zufall überlassen wollte, ging es mit dem fertigen Album nach Amsterdam, um ihm dort den letzten Schliff verpassen zu lassen. Herausgekommen ist eine musikalisch abwechslungsreiche Platte, die durch Mut zum Experiment geprägt ist. Alle Bandmitglieder haben Texte dazu beigetragen.

Es sind nicht nur einige Gastmusiker zu hören, auch die Auswahl der Instrumente geht dank Tuba und Cello über die eigentliche Grundbesetzung weit hinaus. Abgerundet wird das musikalische Fundament durch die markante Stimme von Sänger Manuel Perissinotto.

Erscheinen wird „Rock N Rollercoaster“ am kommenden Samstag  unter dem jungen Label „Watt Matters Records“. Und da das gebührend gefeiert werden will, veranstalten die „Dizzy Dudes“ an diesem Tag ihre „Record Release Party“ in der Gütersloher Weberei. Einlass ist ab 20 Uhr. Dort wird es die CD nicht nur zum ersten Mal zu kaufen geben, die Band präsentiert das gesamte Album auch erstmals live auf der Bühne im großen Saal. Und wer die „Dudes“ kennt, der weiß: Das wird eine großartige Show.

Um dem Publikum vorher schon einzuheizen, holen sich die Jungs tatkräftige Unterstützung von der Wiedenbrücker Kombo „Hans Dampf“, die unter dem Motto „Gib den Jungs ein Publikum und schau dir an, wie selbst der Mann mit der Apfelschorle irgendwann seine Scheu verliert und den Hans in sich rauslässt“ das Publikum ins Schwitzen bringen will.

Karten gibt es in der Weberei, Tel. 05241/234780, in der MusiKiste am Dreiecksplatz , bei GTown Music, Unter den Ulmen, und an der Abendkasse.

www.dizzydudes.com

Tue, 08 Mar 2011 17:04:00 +0100
Gütersloh: Es geht nicht um Karriere, sondern um Selbstbestimmung - Interview mit Bascha Mika
Von unserem Redaktionsmitglied
Doris Pieper

Gütersloh (gl). Sind Frauen zu feige, ihre berufliche Karriere mit Vehemenz anzugehen? Ziehen sie sich aus Faulheit in eine „häusliche Komfortzone“ zurück? Ordnen sie sich aus Bequemlichkeit dem Mann unter? Übernehmen sie gern für jeden und alles die Verantwortung, nur für sich selbst nicht?

Es ist starker Tobak, den Bascha Mika, Ex-„Taz“-Chefredakteurin ihren Geschlechtsgenossinnen in dem Buch „Die Feigheit der Frauen – Rollenfallen und Geiselmentalität“ ins Gesicht bläst. Prompt wird landauf, landab heftig gewettert – über Mikas Ansichten und auch über ihre Person. Anlässlich des heutigen Weltfrauentags sprach „Die Glocke“ mit der Publizistin.
 
„Die Glocke“: Frau Mika, haben Sie so heftige Reaktionen auf Ihr Buch erwartet?

Mika: Nein, ich habe auf eine Debatte gehofft, jedoch nicht mit diesem Sturm gerechnet. Aber ich bin bereit zu streiten, vorausgesetzt, die Kritik ist konstruktiv.

„Die Glocke“: Haben Sie das Buch aus Wut oder Frust geschrieben?

Mika: Wut ist eruptiv und kurzfristig. Ich habe aus einem lang schwelenden Zorn geschrieben. Vor fünf Jahren habe ich bereits an einer Uni einen Vortrag zum Thema „Feige Frauen“ gehalten. Seitdem versuche ich klar zu machen, dass wir Frauen – und ich meine dieses „wir“ sehr ernst – zwar alles wollen und können, aber doch immer wieder weit hinter unseren Möglichkeiten zurückbleiben, weil wir unsere Selbstbestimmung aufgeben.

„Die Glocke“: Glauben Sie, dass Frauen nur glücklich sind, wenn sie Karriere machen?

Mika: Das ist Quatsch. Es geht nicht um Karriere. Selbstbestimmung funktioniert sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich. Jede Frau hat gute Gründe für jede ihrer Entscheidungen. Aber aus einem veralteten Rollenverständnis und aufgrund des gesellschaftlichen Drucks lassen sich viel zu viele auf das typisch Weibliche reduzieren.

„Die Glocke“: Das heißt?

Mika: Bei den Fallbeispielen, die ich aufliste, geht es nicht um Frauen, die sich bewusst und ausschließlich für Familie entscheiden, sondern um gut ausgebildete Frauen, die alles wollen: Liebe, Familie, Beruf, die in jungen Jahren Ziele hatten. An diesem Anspruch messe ich sie, wenn sie Jahre später darüber lamentieren, dass sie dem Partner oder der Familie zuliebe alles aufgegeben haben. Sie selbst haben durch falsche Entscheidungen dafür gesorgt, dass die Rollenfallen zugeschnappt sind. Warum erledigen zwei Drittel der Frauen den Haushalt allein – egal wie viele Stunden sie darüber hinaus im Beruf verbringen – und erfüllen damit freiwillig überindividuelle, klassische Muster? Durch unser Handeln zementieren wir genau die Strukturen, gegen die wir kämpfen. Das muss sich ändern.
 
Wie man der Rollenfalle entgeht und was Bascha Mika über ihr Privatleben verrät, lesen Sie in der Dienstagsausgabe der Gütersloher "Glocke".
Tue, 08 Mar 2011 09:46:00 +0100
Kreis Gütersloh: Naturschützer wollen Waldbesitzer und Baumfäller anzeigen
Von unserem Redaktionsmitglied
Martin Neitemeier

Kreis Gütersloh (gl). Naturschützer und Umweltverbände wollen den Waldbesitzer, der vorige Woche einen der Quartierbäume einer Bechstein-Fledermauskolonie nahe der A-33-Trasse bei Borgholzhausen gefällt hat, anzeigen. Sie sprechen von Baumfrevel und glauben nicht, dass die Buche versehentlich gefällt worden ist.

Denn fest steht: Der trockene, etwa 20 Meter hohe Baum war mit rot-weißem Flatterband sowie einem großen aufgesprühten „F“ deutlich als Wochenstube der streng geschützten Bechstein-Fledermaus gekennzeichnet. Zudem hat der Kreis Gütersloh laut Sprecher Jan Focken den Grundeigentümer eindringlich darauf hingewiesen, dass er die markierten Bäume nicht fällen dürfe.

Dass ein Waldbesitzer zur Säge greift und womöglich glaubt, damit den Weg für eine Autobahn freizumachen, bezeichnet Karsten Otte, der Sprecher der Umweltverbände in OstwestfalenLippe, als den „traurigen Höhepunkt“ der Auseinandersetzung um die A 33, die publikumswirksam auf den Konflikt „Mäuse statt Menschen“ zugespitzt werde. „Das passiert nur, weil Leute glauben, Naturschutz sei gegen ihre Interessen. Aber die A 33 entzieht nicht nur Fledermäusen, sondern auch den Menschen ihre Lebensgrundlagen“, so Otte.

Ins Visier der Umweltverbände sind außer dem Waldbesitzer auch offizielle Stellen geraten. „Es ist unerträglich, dass dieser Anschlag auf die Natur von Polizei und Behörden als Versehen verharmlost wird“, sagt Otte. Zudem hätten die Umweltverbände schon im Dezember die Bezirksregierung vor möglichen Folgen einer Markierung gewarnt. Nach Ansicht von Wolfhart Kantsteiner, dem Sprecher der Umweltverbände in Sachen A 33, haben die Behörden dem Frevel durch die Kennzeichnung des Baums sogar „Vorschub geleistet“. Eine Auffassung, die das zuständige Gutachterbüro Berichten zufolge zurückweist. Die Markierung sei üblich und notwendig.

Welche Auswirkungen das Fällen des Baums auf die Planfeststellung des letzten Lückenschluss-Abschnitts hat, ist offen. Nachdem die Kolonie 2010 entdeckt worden war, hatte sich das Verfahren erneut verzögert. Die Bezirksregierung muss prüfen, welche Maßnahmen zum Schutz der Kolonie nötig sind. Trotz des gefällten Quartierbaums hält Detmold einer ersten Einschätzung zufolge die Funktion des Waldstücks als Fortpflanzungsstätte für die Bechstein-Fledermaus für nicht gefährdet. Bernd Meier-Lammering, der stellvertretende Landesvorsitzende des Bunds für Umwelt- und Naturschutz Deutschlands, fordert mit Verweis auf EU-Bestimmungen „neue Untersuchungen, wo die Tiere jetzt ihr Quartier beziehen“.
 
Zum Bild:
Entsetzte Naturschützer: Bernhard Walter, der Leiter der Biologischen Station Bielefeld/Gütersloh (links), und Wolfhart Kantsteiner, Sprecher der OWL-Umweltverbände, vor dem Stumpf jener Buche, die bis vor kurzem in Borgholzhausen-Casum noch Quartierbaum einer Kolonie von Bechstein-Fledermäusen war.
Tue, 08 Mar 2011 06:01:00 +0100
Rheda-Wiedenbrück: Fröhlich und bunt - Sonne lässt die Narren strahlen
Rheda-Wiedenbrück (kaw/vw). „Sonnenschein wie noch nie“ hat es beim Rheda-Wiedenbrücker Rosenmontagsumzug gegeben. Und dafür sorgten die Frauen der Karnevalsgesellschaft Helü: Als eingetopfte Sonnenblumen hätten die aufgedrehten Altweiber auch bei Sturm und Regen nur gute Laune verbreitet. 59 Fußgruppen und Wagen zogen unter dem Motto „Rheda-Wiedenbrück macht Karneval“ als närrischer Lindwurm durch die Doppelstadt. Auch rechts und links davon wurde gelacht, gesungen, geschunkelt – und viel süße Kamelle unters Volk gebracht.

Auf einem prächtigen Wagen wurde das WCV-Stadtprinzenpaar Gerda I. und Andreas II. Montag von fünf geflügelten Rössern gezogen. Vor sich her trieben die Majestäten Ballon-Hähne und Tanzmäuse, Piraten, moderne Raubritter und Stadtverordnete, Rokokodamen und Schottenröcke, Fledermäuse, Mönche und Törtchen, Stewardessen und Matrosen. Besonders zahlreich waren Panzerknacker und Geldsäcke der Jubiläums-Volksbank vertreten. Alle sorgten für ein farbenfrohes Spektakel, das Tausende an den Straßenrand lockte.

„Rheda-Wiedenbrück ist ausgezeichnet“, klopften die schwarzen Zwirn tragenden Stadtväter und -mütter den Bürgern auf die Schulter – und vielleicht auch ein wenig sich selbst. „Dioxinskandal, nein danke“, versprachen die Leute vom Wertkreis gesunde Lebensmittel: „Unser Biohof wird’s schon richten.“ Derweil sich die Helüaner einen Kopf darum machten, dass ihnen derselbe von Shell, BP, Aral und Co. kahl gefressen wird. Zur Wallfahrt nach Marburg lud die Aegidius-Pfarrgemeinde in Kreuzrittermonturen ein.

Die „Blaue Funken“-Karnevalisten schrieben dem Herrn Sarrazin ins Stammbuch: „Ob schwarz, ob weiß, ob gelb, ob braun – gemeinsam wir auf die Pauke haun’n“. Hoch hinaus ging es mit den Stewardessen der „CVAirline“.

„Wer soll das bezahlen?“, fragte sich der Bundesadler (oder war’s der Pleitegeier?), der Zeus im Rollstuhl ziehen musste: „Der Grieche lacht sich schief und krumm.“ Und die Helüaner, die mit aufgespanntem Rettungsschirm durch die Straßen zogen, stellten die Frage: „Europa hat ihn! Rheda-Wiedenbrück auch?“

Selbst zum Mikrofon griff Prinz Heiner auf dem Musik-Express der „Ecke Sagemüller“. Ganz gemächlich in all dem Trubel ließ es die Schnecke auf dem WCV-Wagen angehen. Sie zog ein Stadthallenmodell hinter sich her getreu der Devise „Lieber langsam und überlegt, als viel zu schnell und nichts bewegt.“
Mon, 07 Mar 2011 22:00:00 +0100
Gütersloh: Pfleiderer ersetzt Holz durch Granulat
Gütersloh (din). Sichtbar sind nur zwei neue Silos, der Rest spielt sich in den Produktionshallen ab und unterliegt strengster Geheimhaltung. Seit Ende 2010 nutzt Pfleiderer im Spanplattenwerk am Stadtring Mais-Granulat in der Platten-Herstellung. Der Werkstoff für die Möbelindustrie heißt „Balanceboard“. Das patentierte Verfahren ist weltweit einmalig und wird nur in Gütersloh angewendet.

Steigende Holzpreise durch immer mehr Pelletheizungen und Bio-Kraftwerke treiben den Spanplattenproduzenten Sorgenfalten ins Gesicht. Auch andere Hersteller experimentieren mit Ersatzstoffen von Hanf bis hin zu Stroh, die einen Teil der Holzspäne im Produkt ersetzen. Pfleiderer setzt auf schnellwachsende Pflanzen wie zum Beispiel Mais.

„Wir wollten weiterhin ein Naturprodukt haben, das ganzjährig verfügbar ist und keine Einschränkungen in der Nutzbarkeit für den Kunden hat“, schildert Marketing-Leiter Stefan Göldner (43) die Ausgangslage. Auch leichter sollten das Material und damit die fertige Platte sein.

Die Grundlagen schufen findige Pfleiderer-Entwickler in Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen. Umgesetzt hat Pfleiderer das großtechnische Herstellungsverfahren in Gütersloh. „Es waren erhebliche Investitionen und Umbauten notwendig“, sagt Göldner, ohne ins Detail zu gehen. Dazu gehören die beiden Silos. Das kleinere für den Ausgangsstoff Mais, der extra für technische Anwendungen angebaut wird, das größere für das Granulat. „Es wird nichts hinzugefügt, notwendig ist nur Dampf, der unter einem gewissen Druck steht“, erklärt Produktentwickler Dr. Christian Bohn (35).
 
Das fertige Granulat wird vor der Presse den Holzspänen beigemischt. Der Werkstoff Balanceboard besteht aus bis zu 30 Prozent dieses schnell wachsenden Rohstoffs und ist bis zu 30 Prozent leichter als herkömmliche Spanplatten. Vier Jahre hat es gedauert von der Idee bis zur Produktreife. Maschinenführer und Mechaniker wurden eigens geschult. Das Verfahren ist so geheim, dass keine Fremdfirmen an die Anlage gelassen werden.
 
Dass die Investition in Gütersloh getätigt wurde, lag laut Göldner auch an der Innovationskraft des Werks und der Mitarbeiter. Bis zu zehn Prozent der fürs laufende Jahr geplanten Produktion von 550 000 Kubikmetern sollen auf den neuen Werkstoff entfallen, der schon auf drei Messen vorgestellt wurde. Nominiert ist er schon für die Auszeichnung „Biowerkstoff des Jahres“, die nächste Woche bei einem Kongress in Köln vergeben wird.
 
Bild: Ersetzen Holzspäne mit einem Anteil von bis zu 30 Prozent durch Mais-Granulat: Marketing-Leiter Stefan Göldner (links mit Spänen) und Produktentwickler Dr. Christian Bohn (mit Granulat). Im Hintergrund sind die beiden neuen Silos im Spanplattenwerk zu sehen.  Bild: Dinkels
Mon, 07 Mar 2011 21:05:00 +0100
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